Geschichte Schwedens

Schwedens Geschichte ist lang und wechselvoll. Insbesondere im Mittelalter beteiligte sich das Land an einer Reihe von Kriegen und galt eine Zeit lang als eine der wichtigsten Monarchien in Europa. Nach einer Reihe herber Niederlagen wurde jedoch beschlossen, eine friedliche außenpolitische Linie zu fahren. Seit über 200 Jahren hat sich Schweden an keinem Krieg mehr beteiligt. Als Mitglied der UN sind jedoch schwedische Soldaten im humanitären Einsatz.

Erste Besiedlung & Antike

Im Gebiet des heutigen Schwedens gibt es seit dem Abschmelzen des Eispanzers aus der letzten Eiszeit Spuren von Besiedlung. Wahrscheinlich über eine Landverbindung wanderten die Menschen aus Dänemark nach Südschweden ein.

Schriftlich erwähnt wurde Schweden dann zunächst bei Tacitus. Im Jahr 79 (n. Chr.) erwähnt er in seiner Germania das Volk der Suionen, das womöglich ein Vorgängervolk der heutigen Schweden ist. Die Stämme des Nordens waren Heiden und unterhielten Handelsbeziehungen mit dem römischen Reich. In der Nachfolge bildeten sich einige Machtzentren heraus.

Wikingerzeit

wikinger-schweden

Ein nachgebautes Wikingerschiff im Hafen von Malmö.

Die Wikingerzeit begann ca. 800. Unter den Wikingern versteht man verallgemeinern die seefahrenden Völker des Nordens. Während die dänischen und norwegischen Seefahrer sich eher nach Westen orientierten, richteten die schwedischen Wikinger, auch Waräger genannt, ihre Fahrten nach Osten. Die Wikingerzüge sind zumeist eine Mischung aus Handels- und Raubzügen gewesen.

In der Folge entstanden in Schweden einige Handelsstädte, bspw. Sigtuna und Lund. Des Weiteren beteiligten sich die Schweden militärisch an der Ausbreitung des Großherzogtums Nowgorod, dessen Fürsten skandinavische Wurzeln hatten.

Im 10. Jahrhundert begann die Christianisierung in Schweden Einzug zu halten. Dies führte zunächst zu Spannungen, da sich nicht alle schwedischen Völker missionieren ließen. Nach einigen gescheiterten Versuchen wurde in Skara ein Bischofssitz errichtet. Mitte des 12. Jahrhundert wurde ein Erzbistum in Schweden eingerichtet.

Mittelalter

In dieser Zeit kann auch von der Reichsgründung Schwedens gesprochen werden. In dieser Zeit wurde die christliche Königswürde überregional bedeutsam. Da der König nicht per Stammbaum, sondern durch Wahl eingesetzt wurde, gab es immer wieder Konflikte um den Thron. Im Zuge der Ausbreitung des Christentums entwickelte sich nach und nach jedoch auch ein Reichsadel. In der Folge wurde eine Expansionspolitik gefahren. 1288 kam es zum Anschluss Gotlands an Schweden.

Im Jahr 1389 wurden die Reiche Dänemark, Norwegen und Schweden zur Kalmarer Union zusammengeschlossen. Die einige rebellische Adlige hatten zuvor dem schwedischen König die Gefolgschaft verweigert und die dänische Könige Margarethe als Herrscherin anerkannt. Deren Neffe führte ab 1397 die Geschicke der Union. In weitem Teilen Schwedens waren die Unionsherrscher jedoch nicht anerkannt. Zwischenzeitlich regierte der Schwedenkönig Karl Knutsson.

In der Zeit der Kalmarer Union entwickelte sich ein Nationalgefühl in Schweden. Aus dieser Entwicklung geht auch die Gründung der ersten schwedischen Universität in Uppsala hervor, diese geschah im Jahr 1477. Damit ist sie so alt wie die deutschen Universitäten Mainz und Tübingen. Nach einer blutigen Auseinandersetzung (Stockholmer Blutbad) kam es zum Aufstand von Gustav Wasa im Jahr 1521, wodurch die Kalmarer Union zusammenbrach.

Wasa-Zeit und Großmachtstatus

Am 6. Juni 1523 wurde Gustav Wasa zum König gewählt. Dieses Datum wird noch heute als Unabhängigkeitstag gefeiert und ist der Nationalfeiertag in Schweden. Unter Gustav Wasa wurde die Reformation und Zentralisierung vorangetrieben. In der weiteren Folge entbrannten immer wieder Kämpfe um die Vorherrschaft im Ostseeraum, wobei Schweden insbesondere mit dem russischen Zarenreich in Konflikt geriet.

Mit der Machtübernahme von Gustav II. Adolf im Jahr 1611 wurde Schweden endgültig zur Großmacht. Unter seiner Herrschaft wurde die Reformation weiter vorangetrieben. Zudem mischte sich Schweden in viele kriegerische Auseinandersetzungen ein. Nachdem Schweden viele Niederlagen eingesteckt hatte, ging ein Teil der Territorien verloren und die Vormachtstellung Schwedens in Europa war gebrochen.
Freiheitszeit

karl xii von schweden

Eine Statue Karls XII. in Stockholm.

Schon während der Herrschaft Karls XII. hatte sich eine Opposition gebildet, die demokratische Tendenzen vertrat. Karls Schwester, welche den Thron bestiegen hatte, verzichtete auf absolutistische Herrschaft und übertrug die Verantwortung auf den Reichstag und Ständerat. Einzigartig zu dieser Zeit war, dass die Bauern im Reichstag vertreten waren (das hatte schon während der Großmachtszeit für innenpolitische Sicherheit gesorgt).

Nach einer erneuten militärischen Niederlage im siebenjährigen Krieg wurden die territorialen Interessen Schwedens mehr Richtung Norden verlagert. Zudem wurden in der Freiheitszeit Gesetze zur Pressefreiheit und Öffentlichkeitsprinzip erlassen.

Gustavianische Epoche & Union mit Norwegen

Mit der Thronbesteigung Gustavs III. Wurde der Reichstag entmachtet und erneut ein monarchistisches System eingeführt. Gustav führte zwar eine Reihe von Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung durch und zeichnete sich als Förderer des Kulturlebens aus, war jedoch kein zimperlicher Herrscher im Umgang mit der Opposition. Er zettelte einen Krieg mit Russland an, um die innenpolitschen Feinde verstummen zu lassen. Diese verübten einen Anschlag auf ihn, an dessen Folgen er schließlich verstarb.

Sein Nachfolger Gustav IV. Adolf schloss sich der antifranzösischen Koalition an. Somit kämpfte Schweden gegen den napoleonischen Expansionsmus. Nachdem Frankreich ein Friedensabkommen mit Russland erzielt hatte, griff dieses Schweden an und erhielt im Frieden von Frederikshamn eine Reihe schwedischer Territorien.

Nach kurzen militärischen Auseinandersetzungen mit Dänemark musste dies Norwegen an Schweden abtreten. Bis 1905 existierte eine schwedisch-norwegische Union, die friedlich aufgelöst wurde. König Karl Johann führte danach eine konsequente Friedenspolitik ein. Schweden ist seither in keinem Krieg mehr beteiligt gewesen.

1842 wurde eine allgemeine Schulpflicht eingeführt. Ein starkes Bevölkerungswachstum führte in der Folge zu einer massiven Landflucht. Es wurde mit Wirtschafts- und Sozialreformen dafür gesorgt, dass der Wandel vom Agrar- zum Industriestaat voran ging. Eine Verfassungsreform führte 1866 das Zweikammernparlament eingeführt.

20. Jahrhundert bis heute

Nach der Lösung der Union mit Norwegen wurde 1907 ein allgemeines Wahlrecht für Männer eingeführt. Damit wurde das Parlament entscheidend demokratisiert. 1920 trat Schweden dem Völkerbund bei, 1921 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt.

Im zweiten Weltkrieg verhielt sich Schweden neutral, genehmigte jedoch, um nicht in den Krieg gezogen zu werden, deutsche Munitions- und Truppentransporte durch seine Territorien. Erst nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad wurden die Transporte gestoppt und jüdische Flüchtlinge aufgenommen.

Nach dem zweiten Weltkrieg trat Schweden 1946 den Vereinten Nationen bei. In der Folge trat das Land unter Olof Palme immer wieder als Vermittler in krisenhaften Situationen auf, unter anderem im Iran-Irak-Krieg.

1995 trat Schweden der EU bei, entschied jedoch, nicht an der europäischen Währungsunion teilzuhaben.

 
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